Wer will, der darf hier auch, denn bei Kunst gegen Bares ist das Publikum gleichzeitig die Schauspieltruppe. Gerd Buurmann, Leiter des Severins-Burg-Theater, ruft jeden Montag Freiwillige aus dem Zuschauerraum auf die Bühne und moderiert mit kabarettistischen Einlagen. Dabei gibt es keinen Plan oder Line Up, nur Abwechslung und die ein oder andere Überraschung stehen als feste Punkte auf dem Programm. Schließlich sind die auftretenden Künstler meistens eine wilde Mischung aus gelernten Schauspieltruppen, begabten Newcomern und absoluten Bühnenneulingen, die frei wählen dürfen, womit sie auftreten. Am Ende des Abends erhält jeder Künstler sein eigenes Sparschwein und die Zuschauer können entscheiden ob und wie viel ihnen die Darbietungen wert waren. Der Publikumsliebling wird zum „Kapitalistenschwein“ der Woche gekürt.
Jeden montag Abend öffnet das Severins Burg Theater seine Türen, damit Künstlerinnen und Künstler auf der Bühne des Theaters ihre Talente präsentieren können – eine typische Offene Bühne Show.
Das Besondere an dieser Show ist jedoch die Form, wie die Kunst entlöhnt wird. Das Publikum entscheidet! Jeder Künstler und jede Künstlerin hat eine eigene Kasse, in der das Publikum soviel Geld werfen kann, wie seiner Meinung nach das Kunstwerk wirklich wert war. Die Einnahmen aus dieser Kasse werden dann ohne Abzüge direkt an die Künstlerinnen und Künstler gehen.
Jeden Monntag kann das Publikum somit selbst entscheiden, wieviel Bares die jeweilige Kunst wert ist - „Kunst Gegen Bares“ halt, und alles ohne Zwischenhändler! Das Publikum gibt Bares und die Künstler geben Kunst – ganz einfach. In der „Kunst Gegen Bares“ wird es somit zu einem Vertrag zwischen Kapital und Kultur kommen – von Angesicht zu Angesicht.
Jeden Montag heißt es für jeden Zuschauer und jede Zuschauerin: „Wieviel gebe ich? Nichts? Viel? Etwas? Wie wäre es mit einem Euro für die Pantomime, 50 Cent für den Gedichtvortrag, 3,21 Euro für diesen tollen Filmbeitrag mit den bellenden Hunden, nichts für diesen einen Mann, der nun wirklich nicht komisch war und 10 Euro für die traurige Geschichte von der Frau im Zugabteil.“
Alle Formen sind willkommen. Die „Kunst Gegen Bares“ ist offen für alle Kunststücke aus den Bereichen Theater, Film, Varitée, Literatur, Pantomine, Stand Up, Clownerie usw. Wer weiß, vielleicht wird sich das ein oder andere Talent finden.
Moderiert wird die Show von Gerd Buurmann: Er ist nicht nur der Künstlerische Leiter des Severins-Burg-Theaters, er hat sich in den letzten Jahren als beliebter, schräger - und kahlköpfiger - Moderator der "Literatur um 8" einen Ruf geschaffen.
Ihm zur Seite stehen unterschiedliche Größen aus der Kölner Kultur. Unter anderem:
Joseph Vicaire, die Unterhalterhaltungkoriphäe aus den Vereinigten Staaten von Amerika. Im Severins-Burg-Theater hat er sich unter anderem mit dem Erfolgsstück "Die 2" und mit der "Gerd & Joe Show" den Ruf der Allzweckwaffe im Kampf gegen die Tristesse erworben.
Hildegard Scholten, die unverwechselbare Dame.
Pressestimmen
"Die ultimative Bühnenshow für junge Künstler, Profis und bisher Unentdeckte. Witzig, abwechslungsreich und immer eine Reise wert." (Claudia Behr, Neue Rheinische Zeitung, 08.10.2008)
„Bei Gefallen kommt Gage ins Sparschwein. Im Severins-Burg-Theater sitzen die Künstler im Publikum – Programm wird nicht geplant. Das Licht auf der Bühne des Severins-Burg-Theaters geht aus. Das Licht im Publikum geht an. Gerd Buurmann, Leiter des Theaters und Moderator des Abends, wendet sich an die Zuschauer: „Wir wollen heute die Künstler beleuchten, die sonst nicht im Rampenlicht stehen. Wer möchte diesen Abend beginnen?“ Drei Zuschauer in der ersten Reihe springen auf und stürmen auf die Bühne. Stefanie Fischeis, Michael Danninger und Martin Kollegger aus Österreich mit Improvisationstheater vom Feinsten. Da wird eine skurrile Szene zu zweit auf einer Flugzeugtoilette im Stil der Elfriede Jelinek ins Wiener Burgtheater gesetzt. Licht aus, Licht wieder an, der nächste Zuschauer tritt auf die Bühne: Der Kabarettist und Comiczeichner PeeWee liefert einen gereimten Schnelldurchgang durch Shakespeares Dramen, in dem sogar Rigoletto ganz politisch korrekt zum „Afrovenezianer“ wird (Anmerkung der Theaterleitung: Die Presse irrt hier leider. Bei dem „Afrovenezianer“ handelt es sich natürlich um Othello und nicht um Rigoletto. Der Eine ist weiß, buckelig und von Beruf Hofnarr und der Andere ist schwarz, edel und von Beruf Feldherr – da kann schon mal was durcheinander kommen). Der Moderator Gerd Buurmann führt nicht nur durch den Abend, er gestaltet den Abend selbst mit. Da mal eine Kabaretteinlage, hier mal eine Heinrich-Heine-Rezitation auf die Unvollendete von Franz Schubert – Gerd Buurmann zieht alle Register. Alle Künstler sitzen im Zuschauerraum – auch der Gastgeber weiß vorher nicht, was ihn erwartet. „Wie der Ukrainer letzte Woche, der drei ukrainische Witze erzählt hat, die ich nicht verstanden habe,“ erinnert sich Buurmann. „Ich bin groß geworden mit dem besten Intendanten der Welt: Kermit, der Frosch. Er ist mein Vorbild. Er hat alles richtig gemacht.“ Nach dem Abitur stellten die Theaterakademien Gerd Buurmann vor die Wahl: Schauspiel oder Regie? Er wollte beides machen und gründete eine eigene Theatergruppe, jetzt leitet er das Severins-Burg-Theater. Der offene Montagabend unter dem Motto „Kunst gegen Bares“ läuft nun seit vier Wochen und obwohl die Türen weit offen stehen, ist die Atmosphäre noch recht familiär in dem kleinen Theater. Gerd Buurmann stört das nicht. „Ich habe montags nichts vor. Ich habe zwar kein Geld für eine große Werbekampagne, aber dafür habe ich einen langen Atem und warte einfach ab.“ Das Licht im Zuschauerraum geht wieder an. Keiner meldet sich mehr. Der Abend ist vorbei. Noch nicht ganz. Der Eintritt war frei, aber die Künstler müssen noch entlohnt werden. Hier darf der Zuschauer selbst entscheiden, wieviel er für die Kunst zahlt. Jetzt werden bunte Sparschweine verteilt. Jedem Künstler wird ein Sparschwein in die Hand gedrückt. Die Schweinchen wandern dann auf die Theke. Dann wird das „Kapitalistenschwein“ der Woche verkündet. „And the winner is ...“ Das Theater im Stockwerk aus Österreich! Ob damit schon die Flugkarten wieder drin sind? Jeder Montagabend, ab 20 Uhr im Severins-Burg-Theater, Eifelstraße 33, ist anders. Literatur, Posie, Gesang – das Publikum gestaltet den Abend selbst. Buurmann schaut verträumt in die Zukunft: „Ich warte immer noch auf den ersten Zauberer oder die erste Pudeldressur. Ich schließe einfach jeden Montag die Türen auf und warte auf das, was kommt.“ (MARTHA ZAN, Kölnische Rundschau, 21. Februar 2008)