Intrigen, Sex, Liebe, Mord und Totschlag. Themen, die in Hollywoodstreifen oder Vorabendserien heute noch genau so frisch daherkommen wie vor fast 140 Jahren in Lessings Drama
Emilia Galotti. Stop, jetzt bitte nicht aufhören zu lesen! Zwar gehörte die Auseinandersetzung mit dem bürgerlichen Trauerspiel bestimmt nicht zu den absoluten Highlights der Schullaufbahn, jedoch lohnt ein zweiter Blick auf die Pflichtlektüre vieler Deutschkurse. Eine kleine Zusammenfassung für alle, die den Inhalt schon wieder verdrängt haben:
Emilia Galotti, Tochter bürgerlichen Landadels und Verlobte des Grafen Appiani strahlt vor einer derartigen Schönheit, dass nicht nur ihr Gatte in Spe ein Auge auf sie geworfen hat. Auch der absolutistische Herrscher Hettore Gonzaga wüsste die junge Frau gerne in seinem Prinzenbett und plant deshalb mit seinem Kammerherrn Marinelli eine perfide Intrige: In einem Hinterhalt wird der Bräutigam erstochen und die Angebetete unter falschen Versprechungen ins herrschaftliche Lustschloss gelockt. Diese befürchtet, den Flirtversuchen Gonzagas nicht widerstehen zu können und bittet deshalb ihren Vater, ihre Ehre zu retten und sie zu töten, was dieser schlussendlich auch durchführt.
Natürlich wird hier vor allem der gesellschaftliche Umbruch in Zeiten der Aufklärung thematisiert, die Folgen der anerzogenen Unmündigkeit, der Widerspruch zwischen gesellschaftlichen Normen und eigenen Bedürfnissen und manch einer wird sich fragen, wo hier die Aktualität gegeben sein soll, da wir die Aufklärung doch längst abgehakt haben. Ist das so? Immer noch stattfindende Ehrenmorde auch in Deutschland beweisen das Gegenteil. Aber auch im kleineren Rahmen regt
Emilia Galotti zum Denken an, darüber, ob wir wirklich so aufgeklärt sind, wie wir annehmen oder ob das "gehorchen" auf feststehende Regeln und Moralvorstellungen nicht manchmal einfacher ist als das eigenständige Denken. Wer nun das angestaubte Deutschkursimage
Emilia Galottis durch ein Neues ersetzen will: Ab ins
Severins-Burg-Theater!