Kafka für ein anderes Medium als das Buch umzuarbeiten, ist immer ein mutiges, ja, gewagtes Unterfangen. Zu viel innere Bewegung, zu viel Symbolismus, ganz einfach zu viel Kafkaeskes verhindert oft die verständliche Vermittlung der düsteren und dennoch faszinierenden Bedeutung seiner Schriften. Gerade seine Novelle
Die Verwandlung stellt Regisseure da vor eine ganz besondere Herausforderung, schließlich verwandelt der Protagonist Gregor Samsa sich hier über Nacht in einen monströsen Käfer. Von seiner Familie ein Leben lang ausgebeutet und unterschätzt, kann er sich gerade als Insekt nicht von ihr loslösen und fristet ein trostloses Leben in Abfallresten und Dunkelheit, eingesperrt in seinem Zimmer. Wie bei Kafka bevorzugt, wird zur Interpretation dieser Geschichte in der Regel seine Autobiographie herbei gezogen: Geprägt von einer strengen, harten Erziehung konnte sich Franz Kafka bis zu seinem Tod nicht von der Hassliebe und der Fixierung auf seinen Vater lösen und verleiht auch Gregor Samsas Vater, wie vielen seiner Figuren, Züge seines eigenen Vaters.
Auf dieser Deutung fußt auch die Inszenierung der
Verwandlung am
Schauspielhaus Köln. Fünf Schauspieler werden benötigt, die körperlich und stimmlich ihr Äußerstes geben, um den inneren Prozess und das ungeheuerliche Geschehen der Verwandlung begreifbar zu machen. Oder zumindest versuchen, es begreifbar zu machen, denn Kafkas Welt anders als in Buchstaben gebannt auch nur annähernd nachvollziehen zu können, ist und bleibt so gut wie unmöglich. So hält sich auch das Schauspielhaus oft nur ans Buchstabieren seiner Texte und dem naheliegenden Ansatz, das Gregor Samsa und Franz Kafka ein und derselbe ist.