Mit
Two Eyes, einer
Windmueller Werden-Neuinszenierung, wird am
Orangerie-Theater im Volksgarten versucht, das Schiller-Drama
Maria Stuart einmal anders zu zeigen. Zwar ist die Handlung immer noch von der klassischen Vorlage dominiert, aber unkonventionell wird diesmal mit der Besetzung der Rollen verfahren. Die zwei dominanten Frauenparts
Maria Stuart und
Elisabeth werden von ein und derselben Person verkörpert - fertig. Bei den Proben ergab es sich plötzlich, dass die Besetzung der
Elisabeth nicht mehr zur Verfügung stand, weshalb kurzerhand beschlossen wurde, dass
Ina Tempel neben der Rolle der
Maria auch die
Elisabeth verkörpern sollte. In diesem Fall zahlte sich das altbewährte Motto "Weniger ist mehr" bestens aus. Die auf innere Monologe reduzierten Sprechtexte der beiden Frauen werden von
Tempel in perfekter, wenn auch mitunter schauspielerisch ein wenig überzeichneter Art und Weise verkörpert. Anders wäre dieser personelle Spagat in einer Person dann wohl doch nicht geglückt. Die Abwesenheit sämtlicher weiterer Figuren und Handlungen der Schiller´schen Vorlage raubt dem Stück einen Teil seiner Komplexität. Jedoch muss hier zur Verteidigung von Regisseur
Johannes Wenzel angeführt werden, dass es in
Two Eyes eben gerade um dieses ambivalente Innenleben und die mentalen Nuancen der beiden Königinnen geht, die sich, würden sie nicht Konkurrentinnen um Einfluss, Macht und den englischen Thron sein, sicher bestens bei Tee und Keksen verstehen würden. Und so ist wohl auch der Titel des Stückes zu interpretieren: wie mit zwei Augen sieht der Zuschauer eine Person auf der Bühne agieren, die es letztlich dennoch schafft, durch ihr überzeugendes Spiel die Doppelrolle in
Two Eyes zu meistern.