Two Eyes, Köln

Wann:

Mi. | 16. Sep. 2009 | 20:30h

Wo:

Orangerie-Theater im Volksgarten, Köln | in Karte anzeigen

Wieviel: 15, ermäßigt 9 Euro
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Unser Team meint

Mit Two Eyes, einer Windmueller Werden-Neuinszenierung, wird am Orangerie-Theater im Volksgarten versucht, das Schiller-Drama Maria Stuart einmal anders zu zeigen. Zwar ist die Handlung immer noch von der klassischen Vorlage dominiert, aber unkonventionell wird diesmal mit der Besetzung der  Rollen verfahren. Die zwei dominanten Frauenparts Maria Stuart und Elisabeth werden von ein und derselben Person verkörpert - fertig. Bei den Proben ergab es sich plötzlich, dass die Besetzung der Elisabeth nicht mehr zur Verfügung stand, weshalb kurzerhand beschlossen wurde, dass Ina Tempel neben der Rolle der Maria auch die Elisabeth verkörpern sollte. In diesem Fall zahlte sich das altbewährte Motto "Weniger ist mehr" bestens aus. Die auf innere Monologe reduzierten Sprechtexte der beiden Frauen werden von Tempel  in perfekter, wenn auch mitunter schauspielerisch ein wenig überzeichneter Art und Weise verkörpert. Anders wäre dieser personelle Spagat in einer Person dann wohl doch nicht geglückt. Die Abwesenheit sämtlicher weiterer Figuren und Handlungen der Schiller´schen Vorlage raubt dem Stück einen Teil seiner Komplexität. Jedoch muss hier zur Verteidigung von Regisseur Johannes Wenzel angeführt werden, dass es in Two Eyes eben gerade um dieses ambivalente Innenleben und die mentalen Nuancen der beiden Königinnen geht, die sich, würden sie nicht Konkurrentinnen um Einfluss, Macht und den englischen Thron sein, sicher bestens bei Tee und Keksen verstehen würden. Und so ist wohl auch der Titel des Stückes zu interpretieren: wie mit zwei Augen sieht der Zuschauer eine Person auf der Bühne agieren, die es letztlich dennoch schafft, durch ihr überzeugendes Spiel die Doppelrolle in Two Eyes zu meistern.
geschrieben von: Marcus
Event Infos

„Mich soll nur wundern, was das Publikum sagen wird, wenn die beiden Huren zusammenkommen und sich ihre Aventuren vorwerfen.“ (Goethe)

Nachdem man in Köln in den letzten Monaten gleich mehrfach die Möglichkeit hatte, unterschiedliche Versionen von Schillers Maria Stuart zu sehen, beschäftigen sich Windmueller Werden konzentriert mit dem ambivalenten Innenleben der britannischen Königinnen.

Maria und Elisabeth sind große Rivalinnen und wissen dennoch genau, was die andere im Innersten zusammenhält. Fast scheint es so, als verkörperte die Feindin jeweils einen ausgelagerten, unterdrückten Teil der eigenen Persönlichkeit. Hass und Liebe, Anziehung und Abstoßung liegen in dieser Beziehung ganz nah beieinander, und verböten die politischen Umstände nicht eine Annäherung, würden diese zwei Frauen vielleicht gute Freundinnen.

Zu welcher Zeit unser Stück spielt bleibt offen. Sicher ist nur, dass Maria sich schon so lange in Gefangenschaft befindet, dass sie genügend Zeit hatte ihre Lage, sich selbst und ihre Gegenspielerin zu begreifen. Nach zwanzig Jahren bespricht diese Frau ihre Situation und wechselt dabei immer wieder die Perspektive. Alles schraubt sich dem Ende hin zu und Maria trifft endlich eine Entscheidung.

Mit Ina Tempel
Regie: Johannes Wenzel

Henrike Eis (Dramaturgie), Flávia Fontoura Mück (Produktionsmanagement), Claudia Frinken (Bühne und Kostüm), Christine Mohr (Kostümmitarbeit), Halina Adele Rosa Hahn (Grafik)

Wir danken: Richard-Riemerschmid-Berufskolleg, Orangerie-Theater im Volksgarten, Heimathafen Neukölln, Marc Kerstan

Homepage: http://www.orangerie-theater.de/