Skandale hin oder her,
Peter Doherty gehört zu den wenigen Genies von heute, die es geschafft haben, auch als eines wahrgenommen zu werden. Ob mit den
Libertines,
Babyshambles oder Solo übt er immer wieder wegweisenden Einfluss auf die gegenwärtige Musikszene - weit über die klassischen Indie-Rock-Gefilde hinaus. Natürlich hilft da sein Bekanntheitsgrad, der leider maßgeblich auch von Drogen, Ausrastern und
Kate Moss abhängt. Aber im Grunde sind es der schier unendliche Einfallsreichtum und die Authentizität seiner Songs, die für Fans und Kritiker gleichermaßen ästhetische Marksteine setzen. Sein neuestes Werk "Grace / Wastelands" greift in eine vorläufige Ruhepause nach dem bislang erfolgreichsten Entzug des Briten im letzten Jahr. Eher auf der Singer/Songwriter-Ebene verarbeitet
Peter Doherty ziemlich offensichtlich Vergangenes und zieht damit seine Konsequenz aus dem jahrelangen Exzess. Dafür fehlen allerdings unmittelbare Höhen und Tiefen. Das Album wirkt insgesamt stimmiger, nur eben auch langweiliger als man es vielleicht gewohnt ist. Dem ungeachtet kommt dann halt live am Montag in der Essigfabrik zu der Mischung aus mystischer Aura und Jungencharme ein Stück Weisheit hinzu, was Herrn
Doherty schlimmstenfalls noch interessanter macht. Vorausgesetzt das Konzert findet statt - immerhin weiß man das bei ihm entgegen aller Anzeichen nie so genau.