Peaches steht nicht nur in der Szene des Elektroclashs für ständige Erneuerung und Veränderung, sondern inspiriert mit ihren kontroversen Gedanken zur eingerosteten Rollenverteilung in unserer Gesellschaft auch junge Feministinnen, die mit Alice Schwarzer wenig anfangen können. Doch die Entwicklung, die
Peaches auf ihrem neuen Album „I Feel Cream“ durchgemacht hat, schockiert Fans beim ersten Hören wahrscheinlich mehr als jedes Entblößen ihres Intimbereichs: Denn
Merril Nisker, im Musikbusiness gestartet mit den brüllenden
The Shits und weltweit durch ihre sexgeladenen Shouts und Raps bekannt geworden als
Peaches, eben diese Merril Nisker
singt plötzlich auf ihrem vierten Album. Generell wendet sie dem Rock mit ihrem neuen Werk den Rücken und kehrt zu ihren elektronischen Wurzeln wie auf dem Erstling „The Teaches Of Peaches“ zurück, bleibt aber etwas gelassener und steuert so zielstrebig in Richtung Dancefloor. Auch in ihren Texten gibt es auf einmal ein neues Thema: Das Altern. Was kein Wunder ist, schließlich ist Peaches inzwischen über 40. Auf ihren Konzerten erscheint sie aber immer noch gerne in Latexhöschen oder eben ganz nackt und nach wie vor bleibt als pflichtbewusster Besucher eines
Peaches-Konzert nur, ihrer Lieblings-Aufforderung Folge zu leisten („Shake your tits and shake your dicks!“), so gut es nur geht. Leitmotiv natürlich auch am 15.12. im
Bürgerhaus Stollwerck, wo die Exil-Berlinerin eines ihrer letzten Deutschlandkonzerte gibt.